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  Geschichtliches, Stadtteile: Bettenhausen
Die erste urkundliche Erwähnung Bettenhausens (damals Bethenhusun) ist vom 1145. Um das Jahr 1300 zählte das Dorf Bettenhausen etwa 150 Einwohner und muss auch zu dieser Zeit bereits eine Kirche gehabt haben.

Um 1356 wird der Ringhof (lat. Regina-Hof, Königinhof) genannt, benannt nach der Eigentümerin, der Tochter des Landgrafen Heinrich II., Königin Adelheid von Polen.
Im 15.Jahrhundert entstehen die ersten Mühlen, östlich des Dorfes Bettenhausen die Herwigsmühle (auch als Faustmühle bekannt) und die Lohmühle, vermutlich identisch mit der 1748 erwähnten Walkenmühle der Kasseler Wolltuchmacher.

1560 wird in der Faustmühle eine Messinghütte errichtet, im Jahre 1679 entsteht hier im Auftrage Landgrafs Karl der Messinghof zur Verwertung der Kupfervorkommen. Das Kupfer wurde aus dem Richelsdorfer Bergwerk und das Zinn aus Schlesien bezogen. In diesem Messinghof wurde der Herkules unter den Schlägen des Kupferhammers in Einzelteilen von 1713 bis 1717 gefertigt. Der Hammer selbst ist heute im Technik-Museum in der Kasseler Orangerie zu besichtigen.

Im Jahre 1758 hat Bettenhausen 497 Einwohner, 1840 sind es bereits über 1000.
1877 wird in Bettenhausen ein Postamt eröffnet, der Bahnhof Kassel-Bettenhausen entstand 1879 im Zusammenhang mit dem Bau der Bahnlinie von Kassel nach Waldkappel.

Wegen der starken Geräuschbelästigung ordnet der Bürgermeister der Gemeinde Bettenhausen 1896 für Pferdefuhrwerke eine Geschwindigkeitsbegrenzung an. Unter anderem gilt sie "in der Nähe der Kirche während des Gottesdienstes".

Am 1.4.1906 wird Bettenhausen zusammen mit Kirchditmold, Rothenditmold und Wahlershausen nach Kassel eingemeindet.

Mit der Stilllegung der Kassel-Waldkappeler Bahn endete am 2. Juni 1985 der Personenverkehr im Bahnhof Bettenhausen.

Marienkirche
Die evangelische Marienkirche steht in der Tradition der alten Dorfkirche von Bettenhausen, erstmals genannt in einer Urkunde vom 29. August 1318. Einige in der heutige Kirche noch mitvermauerte Reste des einstigen Baues geben Anlaß zur Annahme, daß es sich um ein Gebäude gotischen Stiles gehandelt hat, das wohl auch kaum viel früher entstanden sein kann, als im Jahre der Erwähnung, denn die Gotik ist in Hessen etwa in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts eingezogen. Bettenhausen, das im Jahre 1505 zum Dekanat Kirchditmold gehörte, war eine Filiale von Waldau.
Zum Ende des 18. Jahrhunderts wurde ein Neubau notwendig, der, wie auf der Wetterfahne noch zu lesen ist, 1793 fertiggestellt wurde. Am 15. Dezember 1944 zerstörte eine Luftmine das Kirchenschiff völlig. Nach dem Wiederaufbau konnte die Gemeinde am 3. Oktober 1954 zum erstenmal wieder in ihrer Kirche Gottesdienst feiern.
Sehenswert sind ein Altar und ein Taufstein aus Maidbronner Sandstein, gestaltet vom Kasseler Künstler Hermann Pohl, und das Kreuz an der Altarwand von dem Künstler Hubert Distler aus Wildenroth. Hier wird das Geschehen von Golgatha und Ostern eindrucksvoll dargestellt.

Kunigundiskirche
Die katholisch Kunigundiskirche wurde 1924-25 von den Kasseler Architekten Langenberg erbaut.


Kunigundiskirche ca. 1930

1925 wurde der Grundstein der Hallenkirche gelegt. Als erste Kirche in Spannbeton steht sie unter Denkmalschutz. 1927 wurde eine Reliquie der heiligen Kunigundis aus dem Reliquienschatz der Kaiserin Maria Theresia übernommen. Die Kirche wurde durch Bischof Damian (Fulda) geweiht. 1936 setzte man die durch W. Kall entworfenen Apostelfenster ein. Im selben Jahr erhielt die Taufkapelle einen Taufstein. 1939 legte man den Altarraum mit Solnhofer Platten aus und verkleidete die Altäre mit Marmor. 1939 erhielt die Kirche auch eine Orgel von der Firma Euler, Hofgeismar. Die Orgelweihe vollzog Prälat Delmenhorst. 1941 wurde die von Angelo Nigretti, München, geschnitzte Don-Bosco-Statue, 1942 die von demselben Künstler geschaffenen Statuen des hl. Judas Thaddäus und der hl. Maria, der Hilfe der Christen, ebenfalls von Nigretti, eingeweiht.

Industriegebiet in Bettenhausen
Mitte des 19.Jahrhunderts beginnt in Bettenhausen der Aufbau eines Industriegebiets.

1886 legt August Uhlendorff in Bettenhausen eine Eisengießerei und Maschinenfabrik an, in Ergänzung und Erweiterung des Eisenhüttenwerkes Veckerhagen. 1887 verlegt Uhlendorff die Gesamtverwaltung beider Werke nach Kassel.

In Bettenhausen baute die Salzmann-Textilfabrik 1900 auf dem Gelände des Agathofs eine neue Weberei, die Segel- und Uniformstoffe herstellte. Bis zu 5.000 Arbeiter waren hier beschäftigt. Doch die Blüte des Werkes ging mit dem zweiten Weltkrieg zu Ende. In dem Industriedenkmal wurde 1987 die "Kulturfabrik" mit Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen eingerichtet.


Bettenhausen, Salzmann Kulturfabrik

1902 gründen die Brüder Rudolf und August Manns in Bettenhausen eine Faßfabrik und einen Faßgroßhandel.

Karl Schölch beginnt 1903 mit dem Aufbau eines Sägewerks und einer Holzhandlung in Bettenhausen, die sich bald zu einem leistungsfähigen Unternehmen entwickelt. Früh wendet er sich auch dem Karosseriebau zu.

Mit dem Verkauf eines großen Areals südlich von Bettenhausen am 25. März 1915 an den Militärfiskus beginnt die Errichtung einer Munitionsfabrik riesigen Ausmaßes. Im Frühjahr 1917 ist sie vollständig in Betrieb. Bis zu 15000 Menschen sind in Tag- und Nachtarbeit mit der Herstellung von Munition beschäftigt. Mit dem Ende des 1. Weltkrieges erfolgt die Stillegung des Werkes.

Die "Vereinigte Glanzstoff-Fabriken AG Wuppertal- Elberfeld" und die "Deutsche Revisions- und Treuhand AG Berlin" vereinbaren 1935 die Gründung eines Unternehmens zur Herstellung von Stapelfaser und die Errichtung eines Werkes in Kassel (Spinnfaser AG). Mit dem Erwerb der Gebäude und des Geländes der ehemaligen Munitionsfabrik in Bettenhausen fällt der Startschuß zum Aufbau der Spinnfaser AG (1984 Schließung des Werks; jetzt Industriepark Kassel).

Die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG erwerben 1940 Industriegelände in Bettenhausen und errichten ein Zweigwerk zur Herstellung von Zubehörteilen für Flugzeugmotoren. Später werden komplette Flugzeugmotoren in Serie gefertigt.

1943 gilt der erste Angriff der United States Army Airforce auf Kassel den Fieseler Flugzeugwerken in Bettenhausen und Waldau, die meisten Bomben fallen jedoch auf die benachbarte Spinnfaser AG und auf Wohngebiete in Bettenhausen (28.7).

Heute sind etwa 70% der Fläche Bettenhausens Industriegebiet.