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  Geschichtliches, das alte Kassel: Straßen und Plätze

Der Friedrichsplatz


Friedrichsplatz um 1910





Friedrichsplatz 1934                    © Stefan Malsch, Dresden

Der Friedrichsplatz wurde von Simon Louis du Ry im Jahr 1768 als Begrenzung der historische Altstadt von Kassel geplant und gleichzeitig als Bindeglied zwischen Altstadt und barocker Oberneustadt wirken.

Die Südostseite des Platzes sollte von Bebauung freibleiben um als "Fenster" mit freiem Ausblick zum Fuldatal eine organische Verbindung von Architektur und Landschaft zu schaffen. Zur Akzentuierung des Ausblicks wurde an der Südostseite nach dem Entwurf von Simon Louis du Ry das Friedrichs- oder Auetor 1779 - 1782 erbaut.


Auetor um 1934                    © Stefan Malsch, Dresden


Königliches Staatstheater

Das Auetor wird im Jahr 1907 abgerissen um für den monumentalen wilhelminischen Neubau des Staatstheaters Platz zu machen. (Eröffnung 1909 als "Königliches Staatstheater"). Mit diesem Bau wird der ursprüngliche Charakter des Platzes mit seiner Beziehung zur Fulda- und Karlsaue verlassen. Das Staatstheater wird, wie die meisten Gebäude der Kasseler Innenstadt im Jahr 1943 stark kriegsbeschädigt und endgültig - nach erregter öffentlicher Debatte - 1953 abgerissen. Das Fenster zur Karlsaue und zum Fuldatal wird wieder hergestellt.

Bereits im Kaiserreich und besonders in der Zeit des Nationalsozialismus war die ursprüngliche Platzgestaltung mit ihren Rasenflächen und geometrischen Wegen nicht mehr vorhanden. Der Platz wurde häufig zum exerzieren, für Aufmärsche und Paraden vom Militär genutzt. Auf der chaussierten Fläche landeten im Rahmen einer Waffenparade ein Fieseler Storch. Nach dem 2. Weltkrieg hieß der Platz für kurze Zeit Friedrich-Ebert-Platz.

Das neue Staatstheater wird 1959 schräg an der südöstlichen Ecke des Friedrichsplatzes fast parallel zum Ottoneum errichtet, so dass die Rechtwinkligkeit der Patzgestalt gestört und die Ecke ausgerundet wird. Die Verkehrsplanung der 1950er Jahre für die autogerechte Stadt lässt die neuangelegte Straßenführung des Steinwegs den Friedrichsplatz schneiden und trennt das südöstliche Drittel des Platzes verkehrlich und optisch ab.

Noch einmal Ende der 1980er Jahre besteht die Gefahr, dass die Verbindung vom Friedrichsplatz zur Karlsaue aufgegeben wird. Die Wettbewerbsauslobung des Architektenwettbewerbs für den notwendigen Bau einer eigenständigen Ausstellungshalle für die documenta sah eine Bebauung an der Stelle des abgerissenen alten Staatstheaters als Riegel vor der Karlsaue vor. Die Wettbewerbsgewinner setzten sich über diese Vorgabe hinweg, so dass die documenta-Halle seit 1992 parallel mit geschwungenem Grundriss zum neuen Staatstheater steht und sich tief in den Steilhang des Fuldatals eingräbt. Der Blick vom Friedrichsplatz zur Karlsaue und Orangerie seit der documenta 6 im Jahr 1977 durch das Kunstwerk Rahmenbau von Haus-Rucker-Co akzentuiert, blieb frei.

Im Laufe der 1990er Jahre wurde in zwei Bauabschnitten unter der gesamten Fläche eine Tiefgarage gebaut. Bei den Bauarbeiten wurden große Teile der Stadtbefestigungen freigelegt. Ein kleiner Teil und einige Schauvitrinen sind weiterhin im Parkdeck zu sehen. Vom Herbst 2004 bis zum Februar 2007 diente der Friedrichsplatz als Ausweichfläche des Staatstheaters. Während das Theatergebäude saniert wurde, stand ein Kuppelzelt als Spielort auf dem Platz.


Der Königsplatz


Königssplatz vor 1900


Königssplatz um 1910


Der Platz wurde 1767 im Rahmen der Neugestaltung der Stadt nach Plänen Simon Louis du Rys angelegt. Er erhielt seinen Namen nach dem Landgrafen Friedrich I. (1676-1751), der gleichzeitig König von Schweden gewesen war.

In der Zeit des Königreichs Westphalen wurde ein Standbild Napoléon Bonapartes auf dem nun Napoléonsplatz genannten Königsplatz aufgestellt. 1810 ordnete König Jérôme per Dekret an, eine Statue seinens Bruders errichten zu lassen. Sie sollte ursprünglich in Bronze entstehen, die aus heimischen Bergwerken und Guß stammte. Auf Jacques-Louis Davids Empfehlung hin sollte der Kasseler Bildhauer Johann Werner Henschel die Arbeit ausführen. Die ursprünglichen Planungen wurden fallengelassen. Am 12. November 1812 wurde eine Napoléonstatue aus Carraramarmor von Antoine-Denis Chaudet enthüllt. Der französische Kaiser war idealisiert als römischer Imperator dargestellt, Lorbeer bekrönt und in eine Toga gehüllt. In der Rechten hielt er eine Rolle die Verfassung symbolisierend. Nach dem Abzug der Franzosen wurde das Standbild 1813 Opfer von Kulturvandalismus. Die verstümmelten Reste sind heute im Museum Schloss Friedrichstein bei Kassel zu sehen.


Königssplatz im Winter




1943 wurden der Platz und die meisten angrenzenden Gebäude durch britische Fliegerbomben schwer beschädigt, so auch die 1831 errichtete Alte Hauptpost am Standort des heutigen Einkaufszentrums "City Point" zwischen Poststraße und Unterer Königsstraße. Nach dem Ende des Krieges wurden fast alle umstehenden Gebäude abgerissen.

Die einzigen erhaltenen Gebäude aus der Vorkriegszeit, die an den Platz angrenzen, sind das heutige Commerzbank-Haus (Nr. 34) an der Ecke Obere Königsstraße - der Bau wurde 1911 anstelle des Palais Hessen-Rotenburg errichtet, das von 1867 bis 1882 der preußischen Verwaltung als Dienstgebäude diente - und das Geschäftshaus Nr. 57, ein Neubau von 1909.

Nach dem Wiederaufbau erfuhr der Königsplatz mehrmals eine Umgestaltung. Seit 2005 umstehen 36 Wasserspeier aus Bronze den Platz. Die mehrfache Umgestaltung und der heutige Zustand des Platzes blieben dabei nicht ohne Kritik und Verbesserungsvorschläge.


Der neue Wilhelmplatz - Friedrich-Wilhelm-Platz (heute Scheidemannplatz)



Friedrich-Wilhelm-Platz um 1900



Der heutige Scheidemannplatz geht zurück auf eine Stadterweiterung aus dem Jahre 1833. Die projektierte Friedrich-Wilhelm-Stadt, die durch den Kurfürst Friedrich Wilhelm von Hessen-Kassel ihren Namen erhielt, sollte mit der Friedrich-Wilhelm-Straße (heute Ständeplatz) und dem Neuen Wilhelmsplatz (heute Scheidemannplatz) ihren Mittelpunkt erhalten. Die ursprünglichen Planungen sahen im Zentrum des neuen Wilhelmplatzes das von 1834-36 errichtete Ständehaus vor. Durch drei den Platz querende Radialstraßen wäre hier eine Anlage von gleicher Bedeutung wie der des Königsplatzes entstanden.

Die historische Bebauung wurde durch die Bombenangriffe auf Kassel in der Nacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 zerstört.

Seine heutige Gestalt erhielt der Platz in der Zeit des Wiederaufbaus unter dem Einfluss der Moderne von 1950-1954. 1955 wurden die beiden wichtigsten Gebäude am Scheidemannplatz fertiggestellt. Dabei handelte es sich damals um den Sitz der EAM und der Handwerkskammer Kassel.

Der Platz diente zum einen als Verbindung zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt und zum anderen als Verkehrsknotenpunkt für den Straßenverkehr und die Straßenbahn. Für den Fußgängerverkehr wurden unterirdische Passagen gebaut. Diese wurden entlang des Innenstadtringes an mehreren Stellen errichtet, in der am Scheidemannplatz gab es jedoch auch Geschäfte.

Im Sommer des Jahres 2003 wurde ein Wettbewerb zur Neugestaltung des Platzes durchgeführt. Nach den darauffolgenden Umbaumaßnahmen konnte der Platz am 23. September 2005 eingeweiht werden.

Im Rahmen der Umgestaltung kam es, wie an anderen Stellen in der Stadt auch, zum Abbau der Unterführungen.


Fotos Friedrichsplatz 1934 und Auetor 1934 - Copyright: Stefan Malsch, Dresden
Die Darstellung der Fotos erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Stefan Malsch, Dresden

Die Texte basieren teilweise auf den Artikeln "Friedrichsplatz, Königsplatz und Scheidemannplatz" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.