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  Sehenswertes: Palais Bellevue
Im Auftrag des Landgrafen Karl erbaute Paul du Ry das Palais Bellevue im Jahre 1714. Um 1790 wurde das Palais von Simon Louis de Ry im Auftrage des Landgrafen Wilhelm IX. umgebaut, es ist das einzige Kasseler Stadtpalais aus dem frühen 18. Jahrhundert, dass den zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überstanden hat. Auf dem Dach des Schlösschens befand sich ursprünglich eine Sternwarte.

Palais Bellevue

Der ursprünglich kreuzförmige Dachaufbau mit oktogoner Kuppel für die Sternwarte wurde später durch ein hohes Mansarddach mit Giebelausbauten ersetzt. Fast 250 Jahre war das Gebäude – mit einigen Unterbrechungen – im Besitz des hessischen Fürstenhauses. Zuerst mehr für astronomische Zwecke benutzt, diente es seit etwa 1725 als Wohnung für Mitglieder des Hofes, dann für die landgräfliche, später kurfürstliche Familie.

Bewohnt wurde das Palais Bellevue auch vom Prinzen (ab 1760 Landgrafen) Friedrich II. sowie nach 1813 von Kurfürst Wilhelm I. und Wilhelm II. In der Zeit des westfälischen Königreichs lebte zunächst der mit auswärtigen Angelegenheiten betraute Pierre Alexandre Le Camus Graf von Fürstenstein hier; nach dem Brand des Kasseler Stadtschlosses 1811 zog König Jérôme von Westfalen, der Bruder Napoléons, bis zu seiner Vertreibung 1813 in das Bellevue ein. In den 20er und 30er Jahren nutzte die von Ihrem Mann, Kurfürst Wilhelm II., getrennt lebende hessische Kurfürstin Auguste das Bellevue als Stadtschloss. 1956 wurde das Palais Bellevue von der Stadt Kassel erworben, die hier bis 1970 die Städtischen Kunstsammlungen unterbrachte.

Seit 1972, nach der Abgabe der Kunstsammlungen an die Verwaltung der Staatlichen Kunstsammlungen Kassel (Neue Galerie), ist hier das Brüder-Grimm-Museum untergebracht, Teile des ersten Obergeschosses wurden für das Louis Spohr-Museum sowie als Empfangsräume des Magistrats der Stadt Kassel eingerichtet. Das zweite Obergeschoss wurde dem "Deutschen Musikgeschichtlichen Archiv" und der Zentralredaktion des "Internationalen Quellenlexikons der Musik" zur Verfügung gestellt.

Im März 1999 wurde jedoch nach den Beschlüssen des Museumskuratoriums dem Brüder-Grimm-Museum das gesamte Haus für Ausstellungszwecke übergeben. Das Museum stellt u.a. die Orginalausgaben der von den
Brüder Grimm herausgegebenen Kinder- und Hausmärchen aus. Gesammelt werden Dokumente und Bilder zur Biographie der Brüder.